
Wandel ist gerade ein großes Thema. Viele von uns schauen mit gemischten Gefühlen auf die Ereignisse in der Welt, in Deutschland und in unserem Leben selbst. Die „guten alten“ Strukturen und Ordnungen, die uns die Sicherheit vermittelt haben, im sozialen System aufgefangen zu werden, sollten uns Schicksalsschläge treffen oder wir am Ende eines arbeitsreichen Lebens in Rente gehen, bröckeln gerade. Menschen schauen deshalb wieder mehr auf sich selbst und das Vertrauen in die Politik und die einflussreichen Akteure sinkt.
Mir selbst liegt eine friedvolle und gegenseitig respektierende Welt besonders am Herzen. Diese Welt kann es nur geben, wenn die Menschen dieser Welt mit Zuversicht und einer Portion Neugier und Freude mitgestalten – wagemutig „mit“ anstatt „dagegen“.
Ich selbst habe mich über mein gesamtes Leben viele Male wandeln dürfen. Zuweilen fand ich mein Leben schwer, oft gerade noch am „überleben“. Doch zurückblickend habe ich sehr viel gelernt und immer mehr verstanden. Jetzt blicke ich nicht nur auf mein Leben als „genau richtig“ zurück, sondern habe auch eine gute Vorstellung davon entwickelt, was gerade unsere Sicht auf die Welt und die Menschen in dieser Welt beeinflusst und die Geschehnisse im Außen verursacht.
Die Erläuterungen, Erkenntnisse, Einsichten, Bilder und Metaphern auf dieser Webseite – insbesondere über den Wandel – sind meine ganz persönlichen Ansichten zu diesen Themen. Ich möchte sie gerne teilen, da sie mir selbst sehr geholfen haben, meine Ängste und Sorgen über die Zukunft zu verringern.
Meine persönlichen Erkenntnisse und Ansichten stellen eine Perspektive auf den Wandel da, die durch Wahrnehmen und Verstehen zu Zuversicht führen und den Fokus auf Möglichkeiten und Chancen richten kann. Es ist jedoch jedem selbst überlassen, für sich Stellung dazu zu beziehen – in Teilen oder auch im Ganzen.
Es ist mir wichtig: Dies ist meine Sicht und lediglich eine Option.
Gegenwart im Wandel

Sonnenblumen
„Planung & Sicherheit“
Basis für Leben und Überleben
Zeit um:
- Grundbedürfnisse zu erfüllen
- Werte zu schaffen (Haus etc.)
- Familie zu pflegen
- Freude zu haben
- betriebsam zu sein
- aufzubauen
Gegenwart
Übergang / Wandel
Wandel zulassen
Zeit der:
- Offenheit
- Neugier
- Perspektiven
- Dankbarkeit
- Vergebung
- Aussöhung
- Transformation
- Vollendung
Rosen
„Selbstermächtigung & Sinn“
Basis für Authentizität und achtendes Miteinander
Zeit für:
- Individualität
- Sinn im Leben
- rasch verändernden Umständen folgen
- gemeinsam sein
- Erfüllung finden
- wahrnehmen und adäquat handeln
- ausbauen
Ich habe dieses Bild der Sonnenblumen und Rosen gewählt, weil es für mich stimmig die Unterschiede der beiden „Zeiten“ zeigt:
Die Sonnenblumen sind „bodenständig“. Sie verbreiten mit ihren gelben Blütenblättern Freude und mit ihren Samenkörnern stellen sie nicht nur ihr Weiterleben sicher, sie ernähren damit auch noch viele andere: Vögel, Käfer, Menschen…
Übertragen in die gerade endende Zeit bedeutet es, ihnen ist Gemeinschaft in Form von Familie und Freunden mit Festen und lustigen Zusammenkünften wichtig (gelbe Blütenblätter). Die Samenkörner stehen für das Bedürfnis, gut versorgt zu sein und auch andere nicht davon auszuschließen. Sie stehen für das Arbeiten, um zu leben, für Tradition und die sozialen Systeme, die in dieser Zeit aufgebaut wurden, wie z. B. Gesundheitssystem, Rentenversicherung usw. (Samenkerne).
Die Rosen sind sich ihrer Schönheit bewusst. Sie stehen gerade, leuchten in vielen unterschiedlichen Farben und verbreiten einen angenehmen Duft. Sie ziehen Insekten ebenso an wie Menschen. Doch Vorsicht: Sie haben Stacheln, die sie vor aufdringlichen Zeitgenossen schützen.
Übertragen in die gerade entstehende Zeit bedeutet dies, dass sie zu Ihrer Individualität stehen, sich nicht leicht „verbiegen“ (gerader Stand und viele Farben) und sich für sich einsetzen können (Stacheln). Sie stehen auch für die Akzeptanz von „Andersartigkeit“, für die Wichtigkeit des Fühlens – sich selbst und den anderen, und die mentale Offenheit (Duft: „sich riechen können“). Welche Systeme oder Strukturen daraus hervorgehen werden, ist noch völlig unklar. Sicher ist lediglich eines: sie werden ganz anders sein als alles, was wir bis jetzt kennen.
Übergänge und Wandel
Wandel und Übergänge werden meist als „schwierig“ und herausfordernd erlebt. Ordnung löst ich auf in Chaos und Neues will sich noch nicht zeigen. Für Wachstum und Entwicklung ist es jedoch notwendig, Bestehendes zu hinterfragen, und neu zu gestalten, wenn die Zeit dazu gekommen ist. Übergänge als Chance zu verstehen, ist für mich die einzige Möglichkeit, zu bewahren und neue Stabilität zu erlangen.
In seinem Buch „Transitions“ hat William Bridges den Übergang in 7 Phasen beschrieben. Sie führen vom Abschied über das Chaos und die Leere zum Neubeginn, von Schmerz, Emotionen, Ernüchterung und Orientierungslosigkeit zu neuer Motivation.
So könnte der Übergang der Gesellschaft im Wandel des Weltbildes aussehen:
- Die Menschen beginnen, sich nicht mehr zu verstehen – die Unterschiede ihrer Sicht auf die Welt und wie sie sein sollte werden deutlich.
- Ärger und Missmut macht sich breit über bestimmte Menschen oder Menschengruppen, über Politik und die „Obrigkeit“.
- Die Menschen der endenden Zeit bemerken, dass sich ihre Stellung im Leben bereits gewandelt hat, sich die Strukturen geändert haben: Sie fragen sich: Welche Rolle spielen wir jetzt?
Die Menschen der beginnenden Zeit fühlen sich in der endenden Zeit nicht gesehen und verstanden. Sie fragen sich: Welche Rolle spielen wir? - Ernüchterung macht sich breit: die Welt und die Menschen, mit deren Ordnung und Struktur die jetzige Gesellschaft aufgewachsen ist, gibt es nicht mehr. Die „neue“ Gesellschaft gibt es (noch) nicht.
- Die Gesellschaft ringt nach Orientierung: Was bisher wichtig war, scheint nicht mehr so viel zu bedeuten: Was ist jetzt wichtig?
- Leere und Chaos drohen die Gesellschaft gleichermaßen zu übermannen. Jetzt ist es wichtig, Überreaktionen zu vermeiden und eine innere Mitte zu finden. Diese kann uns dazu befähigen, all das aus der Stille und dem Chaos zu fischen, das sich richtig oder stimmig anfühlt – auch wenn es noch keinen Sinn ergibt.
- Schließlich kommt die Zeit, in der sich plötzlich das ganze Bild zeigt und der Sinn dahinter sichtbar wird. Die Menschen finden einen neuen Platz in der Gesellschaft, der sie erfüllt, und kehren zurück in die Gemeinschaft.
Derzeitige Herausforderung: doppelt gefühlter Übergang
Wenn wir von dem Punkt kommen, dass ein Weltbild nie statisch ist, dass es sich stetig verändert, alleine durch die Menschen, die gerade leben, finde ich dieses Bild am treffendsten:

Die Bilder der Sonnenblumen und der Rosen stellen den Hintergrund der Gesellschaft dar, die sich gerade entwickelt. Doch bedenkt: die Gesellschaft besteht aus einzelnen Individuen, einzelnen Menschen.
Deshalb sind die Bilder nicht grundsätzlich „fertig“, sondern Puzzles. Jeder Mensch für sich ist ein Puzzleteil entweder aus dem Puzzle „Sonnenblumen“ oder aus dem Puzzle „Rosen“.
Stellt euch vor, es gibt jemanden, der eine Tüte mit Puzzleteilen öffnet, um das auf die Verpackung gemalte Bild zusammenzusetzen. Er öffnet die Tüte für das Bild „Sonnenblumen“. Die Puzzleteile kommen als Menschen auf die Erde und beginnen eine Gesellschaft zu formen, die den „Sonnenblumen“ entspricht.
Doch im Laufe der Zeit, gehen Menschen wieder von uns und neue Menschen werden geboren. Neigen sich die Puzzleteile der „Sonnenblumen“ dem Ende zu, kommt die nächste Tüte mit den Puzzlestücken für die „Rosen“ zum Einsatz: es werden zu den bestehenden „Sonnenblumen“ auf der Erde, „Rosen“-Menschen geboren.

Hier ist die gefühlt doppelte Herausforderung gut zu erkennen:
- Jeder einzelne von uns steckt als Teil der Gesellschaft im Übergang zu einer neuen Art der Gesellschaft – ein Übergang mit Fokus nach „Außen“ (Systeme, Arbeit, Menschen usw.).
- Jeder einzelne von uns kann durch die Herausforderungen, welche der Wandel der Gesellschaft mit sich bringt, einen weiteren Übergang verspüren – einen Übergang mit Fokus nach „Innen“ (psychische Auswirkungen, Selbstwert, Ängste usw.)
So könnte der Übergang des Einzelnen auf persönlicher Ebene aussehen:
- Wir werden aus Bekanntem, Vertrautem gerissen oder fühlen uns einfach „anders“
- Mächtige Gefühle lähmen oder überschwemmen uns: Trauer, Wut, Enttäuschung, Hilfslosigkeit…
- Ohne das Bekannte, Vertraute wissen wir nicht mehr wer wir sind: Rollen fallen weg
- Wir erkennen endgültig, dass die „Welt“, so wie wir sie kannten, nicht mehr existiert – Ernüchterung macht sich breit
- Wir haben unsere Richtung verloren und wissen nicht wie es weitergehen soll.
- Chaos und Leere bestimmen den Alltag: Wir dürfen uns in die Leere ergeben, nicht dagegen ankämpfen und das Chaos für ziellose Aktivität, die uns gut tut, nutzen
- Schließlich findet sich der zündende Funke, die Motivation kehrt zurück – wir sind bereit für neue Möglichkeiten

„Freie Psychotherapie“ beschreibe ich die Phasen des Übergangs
Hingabe an das Leben
Stellt sich nun die Frage: Wie kommt man am besten durch Übergänge?
Der Wandel ebenso wie Übergänge lassen sich nicht aufhalten. Sie passieren. Einfach. So. Dagegen anzukämpfen mag der erste Impuls sein – man will Vertrautes, Angenehmes nicht aufgeben und: man will kein Chaos. Doch sich sträuben zögert nur hinaus.
Hingabe ans Leben – mit allen Aufs und Abs
„Das Leben surfen – gegen die Wellen kämpfen scheitert“
- Ehrlichkeit zu Dir, den anderen, dem Leben:
Dein Vorteil: Du musst nichts verstecken, weißt wer du bist und handelst authentisch – auch wenn mal eine Aufgabe zu groß erscheint.
„Kleine Wellen reiten macht dich stark für die großen“ - Milde zu Dir, den anderen, dem Leben/Umständen
Dein Vorteil: Milde versöhnt dich, lässt dir und den anderen deine/ihre Größe, bringt dir inneren Frieden und damit eine stabile Basis für mehr.
„Manche Wellen kommen zu groß oder unvorbereitet – das ist okay. Schnapp dir das Surfbrett und starte neu“ - Antwort auf das Leben: Ver-Antwort-ung
Dein Vorteil: Dich vor jedem Handeln oder Nicht-handeln zu fragen: „Nützt mir diese Aktion oder Reaktion wirklich? Macht sie mein Leben freudvoller?“ bringt dich stets auf deinen ganz persönlichen „richtigen“ Weg.
„Du darfst Wellen auch auslassen – nimm dir die Freiheit, zu entscheiden, welche gut für dich ist“
Die Schlüssel zu Ehrlichkeit, Milde und Verantwortung:
Perspektiven
Offenheit/Neugier und Verständnis führen zu Milde und guten Antworten auf das Leben. Auf meinem Blog erfährst du mehr.
„Wissen über Wellen und ihre Herausforderungen hilft“
Transformation
Dankbarkeit, Vergebung/Aussöhnung und Vollendung führen wieder ins Fließen und zu mehr Freude im und am Leben. Meine Erkenntnisse darüber findest du auf meinem Blog.
„Gut trainiert und positiv eingestellt macht das Surfen noch mehr Spaß“
Übergänge existieren in allen Bereichen und auf ganz unterschiedliche Arten im Leben, der Gesellschaft, der Welt.
Brigitte Schießl
Immer und immer wieder.
Sobald wir die Chancen erkennen, die sie für uns bereithalten, sind wir auf dem richtigen Weg.